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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
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251
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Critik der ästhetischen Urteilskraft. 251

beuen, beobachtet hat. Viele von jenen mineralischenCrnstallisationen, als die Spathdruscn, der Glaskopf,die Eisenblüthe, geben oft überaus schöne Gestalten, wiesie die Kunst nur immer ausdenken möchte; und dieGlorie in der Höhle von Antiparos ist bloß das Producteines sich durch Gipslager durchsickernden Wassers.

Das Flüßige ist, allem Ansehen nach, überhauptälter als das Feste, und sowohl die Pflanzen als thieri-sche Körper werden aus flüßiger Nahrungsmaterie ge-bildet, sofern sie sich in Ruhe formt: freylich zwar in derletzter» zuförderst nach einer gewissen ursprünglichen aufZwecke gerichteten Anlage (die, wie im zweyten Theilegewiesen werden wird, nicht ästhetisch, sondern teleolo-gisch, nach dem Princip des Realisms beurtheilt wer-den muß); aber nebenbei) doch auch vielleicht als, demallgemeinen Gesetze der Verwandtschaft der Materiengemäß, anschießend und sich in Freyheit bildend. Sowie nun die in einer Atmosphäre, welche ein Gemischverschiedener Luftarten ist, aufgelöseten wäßrigen Flüs-sigkeiten, wenn sich die letzteren, durch Abgang derWärme von jener scheidet, Schneefiguren erzeugen, dienach Verschiedenheit der dermaligen Lustmischung vonoft sehr künstlich scheinender uud überaus schöner Figursind; so läßt sich, ohne dem teleologischen Princip derBeurtheilung der Organisation etwas zu entziehen, wohldenken: daß, was die Schönheit der Blumen, der Vo-gelfedern, der Muscheln, ihrer Gestalt sowohl als Farbe