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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
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252
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252 Erster Theil.

nach, betriff, diese der Natur und ihrem Vermögen, sichin ihrer Freyheit, ohne besondere darauf gerichteteZwecke, nach chemischen Gesetzen, durch Absetzung derzur Organisation erforderlichen Materie, auch ästhetisch-zweckmäßig zu bilden, zugeschrieben werden könne.

Was aber das Princip der Idealltat der Zweck-mäßigkeit im Schönen der Natur, als dasjenige, wel-ches wir im ästhetischen Urtheile selbst jederzeit zumGrunde legen, und welches uns keinen Realism einesZwecks derselben für unsere Vorstellungskraft zum Er-klärungsgrunde zu brauchen erlaubt, geradezu bewei-set: ist, daß wir in der Beurtheilung der Schönheitüberhaupt das Richtmaaß derselben a priori in unsselbst suchen, und die ästhetische Urtheilskraft in Anse-hung des Urtheils, ob etwas schön sey oder nicht, selbstgesetzgebend ist, welches bey Annehmung des Realismsder Zweckmäßigkeit der Natur nicht Statt finden kann;weil wir da von derNatur lermn müßten, was wir schönzu finden hätten, und das Geschmacksurtheil empirischenPrincipien unterworfen seyn würde. Denn in einersolchen Beurtheilung kommt es nicht darauf an, wasdie Natur ist, oder auch für uns als Zweck ist, son-dern wie wir sie aufnehmen. Es würde immer eine ob-jective Zweckmäßigkeit der Natur seyn, wenn sie fürunser Wohlgefallen ihre Formen gebildet hatte; undnicht eine subjective Zweckmäßigkeit, welche auf demSpiele der Einbildungskraft in ihrer Freyheit beruhete,