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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
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260
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26o Erster Theil.

allgemeinen Begrif kenntlich, erklärt). Daher ist dasmoralische Urtheil nicht allein bestimmter consiitutiverPrincipien fähig, sondern ist Mir durch Gründung derMaximen auf dieselben und ihre Allgemeinheit möglich.-Die Rücksicht auf diese Analogie ist auch dem ge-meinen Verstände gewöhnlich; und wir benennen schö-ne Gegenstände der Natur, oder der Kunst, oft mitNamen, die eine sittliche Beurtheilung zum Grunde zulegen scheinen. Wir nennen Gebäude oder Bäume ma-jestätisch und prächtig, oder Gefilde lachend und fröh-lich; selbst Farben werden unfchuldig, bescheiden, zärt-lich genannt, weil sie Empfindungen erregen, die etwasmit dem Bewußtseyn eines durch moralische Urtheilebewirkten Gemüthszustandes Analogisches enthalten.Der Geschmack macht gleichsam den Übergang vomSinnenreiz zum habituellen moralischen Interesse, ohneeinen zu gewaltsamen Sprung, möglich, indem er dieEinbildungskraft auch in ihrer Freyheit als zweckmäßigfür den Verstand bestimmbar vorstellt, und sogar anGegenständen der Sinne auch ohne Sinnenreiz einfreyes Wohlgefallen finden lehrt.