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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
Seite
273
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Critik der theologischen Urtheilskraft. 27z

der Linien dieser Art nachforschten, ohne sich durch dieFrage eingeschränkter Köpfe irre machen zu lassen: wozudenn diese Kenntniß nützen sollte? z. B. die der Parabel,ohne das Gesetz der Schwere auf der Erde zu kennen,welches ihnen die Anwendung derselben auf die Wurfs-linie schwerer Körper (deren Richtung der Schwere inihrer Bewegung als parallel angesehen werden kann)würde an die Hand gegeben haben; oder der Ellipse,ohne zu ahnen, daß auch eine Schwere an Himmels-körpern zu finden sey, und ohne ihr Gesetz in verschiede-nen Entfernungen vom Anziehungspunkte zu kennen,welches macht, daß sie diese Linie in freyer Bewegungbeschreiben. Wahrend dessen, daß sie hierin, ihnen selbstunbewußt, für die Nachkommenschaft arbeiteten, ergötz-ten sie sich an einer Zweckmäßigkeit in dem Wesen derDinge, die sie doch völlig -» priyii in ihrer Nothwendig-keit darstellen konnten. Plato , selbst Meister in dieserWissenschaft, gerieth über eine solche ursprüngliche Be-schaffenheit der Dinge, welche zu entdecken wir aller Er-fahrung entbehren können, und über das Vermögen desGemüths, die Harmonie der Wesen aus ihrem übersinn-lichen Princip schöpfen zu können (wozu noch die Eigen-schaften der Zahlen kommen, mit denen das Gemüth inder Musik spielt), in die Begeisterung, welche ihn überdie Erfahrungsbegriffe zu Ideen erhob, die ihm nurdurch eine intellectuelle Gemeinschaft mit dem Ursprüngealler Wesen erklärlich zu seyn schienen. Kein Wunder.AW5»<Kit,d.Urrheilskr, S