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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
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280 Zweyter Theil.

oder auch 'Zutraglichkeit (für jedes andere Geschöpf),und ist bloß relativ; indeß die erstere eine innere Zweck-mäßigkeit des Naturwefens ist.

Die Flusse führen z. B. allerley zum Wachsthumder Pflanzen dienliche Erde mit sich fort, die sie biswei-len mitten im Lande, oft auch an ihren Mündungen,abfetzen. Die Fluch führt diesen Schlich an manchenKüsten über das Land, oder setzt ihn an dessen Ufer ab;und, wenn vornehmlich Menschen dazu helfen, damit dieEbbe ihn nicht wieder wegführe, fo nimmt das frucht-bare Land zu, und das Gewachsreich gewinnt da Platz,wo vorher Fifche und Schaalthiere ihren Aufenthalt ge-habt hatten. Die meisten Landeserweiterungen auf diefeArt hat wohl die Natur selbst verrichtet, und fahrt da-mit auch noch, obzwar langsam, fort. Nun fragtsich, ob dies als ein Zweck der Natur zu beurtheilen sey,weil es eine Nutzbarkeit für Meufchen enthält; denndie für das Gcwachsrcich selber kann man nicht in An-schlag bringen, weil dagegen eben so viel den Meerge-schöpfen entzogen wird, als dem Lande Vortheil zuwachst.

Oder, um ein Beyspiel von der Zutraglichkeit ge-wisser Naturdinge als Mittel für andere Geschöpfe (wennman sie als Mittel vorausfetzt) zu geben: so ist kein Bo-den den Fichten gedeihlicher, als ein Sandboden. Nunhat das alte Meer, ehe es sich vom Lande zurückzog,so viele Sandstriche in unfern nordlichen Gegenden zurück-gelassen, daß auf diesem für alle Cultur sonst so unbrauch-