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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
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281
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Critik der teleslogischen Urtheilskraft. 281

baren Boden weitläuftige Fichtenwälder haben aufschla-gen können, wegen deren unvernünftiger Ausrottungwir häufig unsere Vorfahren anklagen; und da kannman fragen, ob diefe uralte Abfetzung der Sandschichtenein Zweck der Natur war, zum Behuf der darauf^mög-lichen Fichtenwälder. So viel ist klar: daß, wenn mandiese als Zweck der Natur annimmt, man jenen Sandauch, aber nur als relativen, Zweck einräumen müsse,wozu wiederum der alte Meeressirand und dessen Zurück-ziehen das Mittel war; denn in der Reihe der einandersubordinirten Glieder einer Zweckvcrbindung muß einjedes Mittelglied als Zweck (obgleich eben nicht alsEndzweck) betrachtet werden, wozu seine nächste Ursachedas Mittel ist. Eben so, wenn einmal Rindvieh, Schaafe,Pferde u. s. w. in der Welt seyn sollten, so mußte Grasauf Erden, aber es mußten auch Salzkräuter in Sand-wüsten wachsen, wenn Cameele gedeihen sollten, oderauch diese und andere grasfressende Thierarten in Mengeanzutreffen seyn, wenn es Wölfe, Tiger und Löwen ge-ben sollte. Mithin ist die objective Zweckmäßigkeit, diesich auf Zuträglichkeit gründet, nicht eine objectiveZweckmäßigkeit der Dinge an sich selbst, als ob derSand für sich, als Wirkung, aus seiner Ursache, demMeere, nicht könnte begriffen werden, ohne dein letzter»einen Zweck unterzulegen, und ohne die Wirkung, nehm-lich den Sand, als Kunstwerk zu betrachten. Sie isttine bloß relative, dem Dinge selbst, dem sie beygelegt

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