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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
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Critik der teleologischen Urtheilskrast. 299

halten; weil, obzwar diese Gestalt der Oberfläche derErde zur Entstehung und Erhaltung des Gewächs- undThierreichs sehr nöthig war, sie doch nichts an sich hat,zu dcssen Möglichkeit man sich genöthigt sahe eine Causa-litat nach Zwecken anzunehmen. Eben das gilt vonGewachsen, die der Mensch zu seiner Nothdurft oder Er-götzlichkeit nutzt: von Thieren, dem Cameele, dem Rin-de, dein Pferde, Hunde u. s. w., die er theils zu seinerNahrung, theils seinem Dienste so vielfältig gebrauchenund großentheils gar nicht entbehren kann. Von Din-gen, deren keines für sich als Zweck anzusehen man Ur-sache h^t, kann das äußere Verhältniß nur hypothetischfür zweckmäßig beurtheilt werden.

Ein Ding seiner innern Form halber, als Natnr-zweck beurtheilen, ist ganz etwas anderes, als die Exi-stenz dieses Dinges für Zweck der Natur halten. Zuder letztern Behauptung bedürfen wir nicht bloß denBegrif von einem möglichen Zweck, sondern die Er-kenntniß des Endzwecks (lcopus) der Natur, welcheseine Beziehung derselben ans etwas Übersinnliches be-darf, die alle unsere teleologische Naturerkcnntniß weitübersteigt; denn der Zweck der Existenz der Natur selbstmuß über die Natur hinaus gesucht werden. Die innereForm eines bloßen Grashalms kann seinen bloß nachder Regel der Zwecke möglichen Ursprung,, für unsermenschliches Beurtheilungsvermögen hinreichend, be-weisen. Geht man aber davon ab, und sieht nur auf