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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
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303
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Critik der teleologischen Urtheilskraft. zoz^

bewegende Kraft und ermüdende Unruhe, worüber wirdie Traume anklagen (die doch in der That vielleicht Heil-mittel sind), der Schlaf, selbst im gesunden Zustande,wohl gar ein völliges Erlöschen des Lebens seyn würbe.

Auch Schönheit der Natur, d. i. ihre Znscunmen-siimmung mit dem freyen Spiele unserer Erkenntniß-vermögen in der Auffassung und Beurtheilung ihrer Er-scheinung, kann auf die Art als objective Zweckmäßig-keit der Natur in ihrem Ganzen, als System, worin derMensch ein Glied ist, betrachtet werden; wenn einmaldie telcologische Beurtheilung derselben durch die Natur-zwecke, welche uns die organisirren Wesen an die Handgeben, zu der Idee eines großen Systems der Zweckeder Natur uns berechtigt hat. Wir können sie als eineGunst *), die die Natur für uns gehabt hat, betrach-ten, daß sie über das Nützliche noch Schönheit und Reizeso reichlich austhcilcte, und sie deshalb lieben, so wie,ihrer Unermeßlichkeit wegen, mit Achtung ^betrachten,

') In dem ästhetischen Theile wurde gesagt: wir sähen dieschöne Nacur mir Gunst an, indem wir an ihrer Formein ganz freyes (uninteressirles) Wohlgefallen haben. Dennin diesem bloßen Geschmacksurtheile wird gar nicht daraufRücksicht genommen, zu welchem Zwecke diese Naturschott?heilen eristiren: ob um uns eine Lust zu erwecken, oderohne alle Beziehung auf uns als Zwecke. In einem tclev?gischen Urtheile aber geben wir auch auf diese BeziehungAcht; und da können wir es als Gunst der Narur «nft-hcn, daß sie uns, durch Aufstellung so vieler schönen Gt,stalten, zur Cultur Hot beförderlich seyn wollen.