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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
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314
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ZI 4 Zweyter Theil.

besonderen Gesetze kann es sich nun zutragen: daß dieUrtheilslraft in ihrer Reflexion von zwei Maximen aus-geht, deren eine ihr der bloße Verstand s priori an dieHand giebt; die andere aber durch besondere Erfahrun-gen veranlaßt wird, welche die Vernunft ins Spielbringen, um nach einem besondern Princip die Beurthei-lung der körperlichen Natur und ihrer Gesetze anzustel-len. Da trift es sich dann, daß diese zweyerley Maxi-men nicht wohl neben einander bestehen zu können denAnschein haben, mithin sich eine Dialectik hervorthut,welche die Urtheilskraft in dem Princip ihrer Reflexionirre macht.

Die erste Maxime derselben ist der Satz: Alle

Erzeugung materieller Dinge und ihrer Formen muß,als nach bloß mechanischen Gesetzen möglich, beurtheiltwerden.

Die zweyte Maxime ist der Gegensatz: Ei-nige Producte der materiellen Natur können nicht, alsnach bloß mechanischen Gesetzen möglich, beurtheilt wer-den (ihre Beurtheilung erfordert ein ganz anderes Gesetzder Causalität, nehmlich das der Endursachen).

Wenn man diese regulativen Grundsatze für dieNachforschung nun in constitutive, der Möglichkeit derObjecte selbst, verwandelte, so würden sie so lauten:

Satz: Alle Erzeugung materieller Dinge ist nachbloß mechanischen Gesetzen möglich.