Z40 Zweyter Theil.
chen Urtheils im Objecte liegt. Wir wollen Beyspiele an-führen, die zwar zu viel Wichtigkeit und auch Schwierigkeithaben, um sie hier so fort als erwiesene Sätze dem Leseraufzudringen, die ihm aber Stoff zum Nachdenken geben,und dem, w«6 hier unser eigenthümliches Geschäft ist, zurErläuterung dienen können.
Es ist dem menschlichen Verstände unumgänglich noth,wendig, Möglichkeit und Wirklichkeit der Dinge zu unter-scheiden. Der Grund davon lieget im Subjecte und derNatur seiner Erkenntnißvermögen. Denn, wären zu dieserihrer Ausübung nicht zwey ganz heterogene Stücke, Verstandfür Begriffe, und sinnliche Anschauung für Objecte, die ih-nen corresvondiren, erforderlich; so würde es keine solcheUnterscheidung (zwischen dem Möglichen und Wirklichen) ge-ben. Wäre nehmlich unser Verstand anschauend, so hätteer keine Gegenstände als das Wirkliche. Begriffe (die bloßauf die Möglichkeit eines Gegenstandes gehen), und sinnli-chc Anschauungen (welche uns etwas geben, ohne es dadurchdoch als Gegenstand erkennen zu lassen), würden beide weg-fallen. Nun beruht aber alle unsere Unterscheidung des bloßMöglichen vom Wirklichen darauf, daß das erstere nur diePosition der Vorstellung eines Dinges respectiv aus unsernBegrif und überhaupt das Vermögen zu denken das letztereaber die Sehung des Dinges an sich selbst (außer diesemBegriffe) bedeutet. Also ist die Unterscheidung möglicherDingevon wirklichen eine solche, die bloß subjectiv für den mensch-lichen Verstand gilt, da wir nehmlich etwas immer noch inGedanken haben können, ob es gleich nicht ist, oder etwasals gegeben uns vorstellen, ob wlr gleich noch keinen Begrifdavon haben. Die Sätze also: daß Dinge möglich seynkönnen ohne wirklich zu seyn, daß also aus der bloßen Mög-lichkeit auf die Wirklichkeit gar nicht geschlossen werden könne.