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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
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341
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Critik der teleologischen Urcheilskraft. Z4 r

zelten ganz richtig für die menschliche Vernunft, ohne darumzu beweisen daß dieser Unterschied in den Dingen selbst liege.Denn, daß dieses nicht daraus gefolgert werden könne, mithinjene Sätze zwar allerdings auch von Objecten gelten, so fernunser Erkenntnißvermögen, als sinnlich, bedingt, sich auchMit Objecten der Sinne beschäftigt, aber nicht von Dingenüberhaupt: leuchtet aus der unablaßlichen Forderung derVernunft ein, irgend ein Etwas (den Urgrund) als unbe-dingt nothwendig existirend anzunehmen, an welchem Mög-lichkett und Wirklichkeit gar nicht mehr unterschieden werdensollen, und für welche Idee unser Verstand schlechterdingskeinen Begrif hat, d. i. keine Art ausfinden kann, wie erein solches Ding und seine Art zu eristiren sich vorstellen solle.Denn, wenn er es denkt (er mag es denken wie er will),so ist es bloß als möglich vorgestellt. Zst er sich dessen, alsin der Anschauung gegeben bewußt, so ist es wirklich, ohnesich hiebey irgend etwas von Möglichkeit zu denken. Daherist der Begrif eines absolutnothwendigen Wesens zwar eineunentbehrliche Vernunftidee, aber ein für den menschlichenVerstand unerreichbarer problematischer Begrif. Er giltaber doch für den Gebrauch unserer Erkenntnißvermögen,nach der eigenthümlichen Beschaffenheit derselben, mithin

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nicht vom Objecte und hiemit für jedes erkennende Wesen:weil ich nicht bet jedem das Denken und dde Anschauung,als zwey verschiedene Bedingungen der Ausübung ihrer Er-kenntnißvermögen, mithin der Möglichkeit und Wirklichkeitder Dinge, voraussetzen kann. Für einen Verstand, bey demdieser Unterschied nicht einträte, würde es heissen: alleObjecte, die ich erkenne, sind (eristiren); und die Mög-lichkeit einiger, die doch nicht eristirten, d. i. Zufälligkeitderselben wenn sie existiren, also auch die davon zu unter-scheidende Nothwendigkeit, würde in die Vorstellung eines

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