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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
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345
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Critik der teleologischen Urtheilskrast. Z45

der Erfahrung gegeben werden kann, und die alsdannmir zu regulativen Principien in Verfolgung der letzte-ren dienen konnten. Mit dem Begriffe eines Natur-zwecks verhalt es sich zwar eben so, was die Ursacheder Möglichkeit eines solchen Prädikats betrift, die nurin der Idee liegen kann: aber die ihr gemäße Folge(das Product selbst) ist doch in der Natur gegeben,und der Begrif einer Ccmsalität der letzteren, als einesnach Zwecken handelnden Wesens, scheint die Idee ei-nes Naturzwecks zu einem consiitutiven Princip desselbenzu machen: und darin hat sie etwas von allen andernIdeen Unterscheidendes.

. Dieses Unterscheidende besteht aber darin: daß ge-dachte Idee nicht ein Vernunftprincip für den Verstand,sondern für die Urtheilskraft, mithin lediglich die An-wendung eines Verstandes überhaupt auf mögliche Ge-genstände der Erfahrung ist; und zwar da, wo das Ur-theil nicht bestimmend, sondern bloß reflectirend seynkann, mithin der Gegenstand zwar in der Erfahrung ge-geben, aber darüber der Idee gemäß gar nicht einmalbestimmt (geschweige völlig angemessen) geurtheilt,sondern nur über ihn reflecrirr werden kann.

Es betrift also eine Eigenthümlichkeit Unseres(menschlichen) Verstandes in Ansehung der Urtheilskraft,in der Reflexion derselben über Dinge der Natur. Wenndas aber ist, so muß hier die Idee von einem andernmöglichen Verstände, als dem menschlichen, zum Grunde

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