Druckschrift 
Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
Seite
350
Einzelbild herunterladen
 

Z5<5 Zweyter Theil.

Vorstellung eines Ganzen den Grund der Möglichkeitder Form desselben und der dazu gehörigen Verknüpfungder Theile enthalte. Da das Ganze nun aber alsdanneine Wirkung (Prodttct) seyn wurde, dessen Vor-stellung als die Ursache feiner Möglichkeit angese-hen wird, das Product aber einer Ursache, deren Ve-stimmungsgrund bloß die Vorstellung feiner Wirkungist, ein Zweck heißt; so folgt daraus: daß es bloß eineFolge aus der besondern Beschaffenheit unseres Verstan-des fey, wenn wir Producte der Natur nach einer an-dern Art der Caufalitat, als der der Naturgesetze derMaterie, nehmlich nur nach der der Zwecke und Endur-sachen uns als möglich vorstellen, und daß dieses Prin-cip nicht die Möglichkeit solcher Dinge selbst (selbst alsPhänomene betrachtet) nach dieser Erzeugungsart, son-dern nur der unserem Verstände möglichen Beurtheilungderselben angehe. Wobey wir zugleich einsehen, warumwir in der Naturkunde mit einer Erklärung der Producteder Natur durch Caufalitat nach Zwecken lange nichtzufrieden sind, weil wir nehmlich in derselben die Natur-erzeugung bloß unserm Vermögen sie zu beurtheilen, d. i.'der reflectirenden Urtheilskraft, und nicht den Dingenselbst zum Behuf der bestimmenden Urtheilskraft ange-messen zu beurtheilen verlangen. Es ist hiebey auch garnicht nöthig zu beweisen, daß ein solcher Wdellectus »i-<Iiey'pns möglich fey, fondern nur daß wir in der Da-gegenhaltuug unseres discursiven, der Bilder bedürfti-