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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
Seite
368
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z6g Zweyter Theil.

doch aber immer aus jenem Zwecke und ihm gemäß er-folgen) zu entwickeln. ^.

Es ist rühmlich, vermittelst einer comparativenAnatomie die große Schöpfung organisirter Naturendurchzugehen, um zu sehen: ob sich daran nicht etwaseinem System ähnliches, und zwar dem Erzeugungs-princip nach, vorfinde; ohne daß wir nöthig haben,beym bloßen Beurtheilungsprincip (welches für die Ein- ^ficht ihrer Erzeugung keinen Aufschluß giebt) stehen zubleiben, und muthlos allen Anspruch aufNatUreinsichtin diesem Felde aufzugeben. Die Übereinkunft fo vielerThiergattungen in einem gewissen gemeinsamen Schema,das nicht allein in ihrem Knochenbau, sondern auch inder Anordnung der übrigen Theile zum Grunde zu lie-gen scheint, wo bewundrungswürdige Einfalt des Grund-risses durch Verkürzung einer und Verlängerung ande-rer, durch Einwickelung dieser und Auswickelung jenerTheile, eine so große Mannichfaltigkeit von Species hathervorbringen können, läßt einen obgleich schwachenStrahl von Hofnung in das Gemüth fallen, daß hierwohl etwas mit dem Princip des Mechanismus derNatur, ohne welches es überhaupt keine Naturwissen-schaft geben kann, auszurichten seyn möchte. Diese Ana-logie der Formen, sofern sie bey aller Verschiedenheit ei-nem gemeinschaftlichen Urbilde gemäß erzeugt zu seynscheinen, verstärkt die Vermuthung einer wirklichen Ver-wandtschaft derselben in der Erzeugung von einer gemein-

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