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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
Seite
384
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Z84 Zweyter Theil.

eine gewisse Organisation und ein System aller Natur-reiche nach Endursachen zu denken. Allein hier scheintdie Erfahrung der Vernunftmarime laut zu widerspre-chen, vornehmlich was einen letzten Zweck der Natur be-trift, der doch zu der Möglichkeit eines solchen Systemserforderlich ist, und den wir nirgend anders als im Men-schen setzen können: da vielmehr in Ansehung dieses, alseiner der vielen Thiergattungen, die Natur so wenigvon den zerstöhrenden als erzeugenden Kräften die min-deste Ausnahme gemacht hat, alles einem Mechanismderselben, ohne einen Zweck, zu unterwerfen.

Das erste, was in einer Anordnung zu einem zweck-mäßigen Ganzen der Naturwesen auf der Erde absicht-lich eingerichtet seyn müßte, würde wohl ihr Wohnplatz,der Boden und das Element seyn, auf und in welchemsie ihr Fortkommen haben sollten. Allein eine genauereKenntniß der Beschaffenheit dieser Grundlage aller orga-nischen Erzeugung giebt ans keine andere als ganz un-absichtlich wirkende, ja eher noch verwüstende, als Er-zeugung, Ordnung und Zwecke begünstigende Ursachen,Anzeige. Land und Meer enthalten nicht allein Denk-maler von alten machtigen Verwüstungen, die sie undalle Geschöpfe, auf und in demfelben, betroffen haben,in sich; sondern ihr ganzes Bauwerk, die Erdlager deseinen und die Gränzen des andern haben ganzlich dasAnsehen des Products wilder allgewaltiger Kräfte einerim chaotischen Zustande arbeitenden Natur. So zweck-mäßig