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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
Seite
388
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Zweyter Theil.

§. 8Z.

Von dem letzten Zwecke der Natur als einesteleologischen Systems.

Wie haben im vorigen gezeigt, daß wir den Men-schen nicht bloß, wie alle organisirte Wesen, als Na-turzweck, sondern auch hier auf Erden als den letztenZweck der Natur, in Beziehung auf welchen alleübrige Naturdmge ein System von Zwecken ausmachen,nach Grundsätzen der Vernunft, zwar nicht für die be-stimmende, doch für die reflectirende Urtheilskraft, zubeurtheilen hinreichende Ursache haben. Wenn nundasjenige im Menschen selbst angetroffen werden muß,was als Zweck durch seine Verknüpfung mit der Naturbefördert werden soll; so muß entweder der Zweck vonder Art seyn, daß er selbst durch die Natur in ihrerWohlthätigkeit befriedigt werden kann; oder es ist diöTauglichkeit und Gefchicklichkeit zu allerley Zwecken,wozu die Natur (äußerlich und innerlich) von ihm ge-braucht werden könne. Der erste Zweck der Naturwürde die Glückseligkeit, der zweyte die CulturHes Menschen seyn»

Der Begrif der Glückseligkeit ist nicht ein solcher,den der Mensch etwa von seinen Instintten abstrahirt,und so aus der Thierheit in ihm selbst hernimmt; son-dern ist eine bloße Idee eines Zustandes, welcher er denletzteren unter bloß empirischen Bedingungen (welches