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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
Seite
390
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Z5>a Zweyter Theil.

Plagen, und noch andere von seiner eigenen Gattung,durch den Druck, der Herrschaft, die Barbarey derKriege u. s. w. in solche Noth versetzt und er selbst,so viel an ihm ist, an der Zerstörung seiner eigenenGattung arbeitet, daß selbst bey der wohlthatigsten Na-tur außer uns, der Zweck derselben, wenn er auf dieGlückseligkeit unserer Species gestellet wäre, in einemSystem derselben auf Erden nicht erreicht werden wur-de, weil die Natur in uns derselben nicht empfänglichist. Er ist also immer nur Glied in der Kette derNaturzwecke: zwar Princip in Ansehung manchesZwecks, wozu die Natur ihn in ihrer Anlage bestimmtzu haben scheint, indem er sich selbst dazu macht; aberdoch auch Mittel zur Erhaltung der Zweckmäßigkeitim Mechanism der übrigen Glieder. Als das einzigeWesen auf Erden, welches Verstand, mithin ein Ver-mögen hat, sich selbst willkürlich Zwecke zu setzen, ist erzwar betitelter Herr der Natur, und, wenn man dieseals ein teleologisches System ansieht, seiner Bestimmungnach der letzte Zweck der Natur; aber immer nur be-dingt, nehmlich daß er es verstehe und den Willen ha-be, dieser und ihm selbst eine solche Zweckbeziehung zugeben, die unabhängig von der Natur sich selbst genug,mithin Endzweck, seyn könne, der aber in der Naturgar nicht gesucht werden muß.

Um aber auszufinden, worein wir am Menschenwenigstens jenen letzten Zweck der Natur zu setzen ha-