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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
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394
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Z94 Zweyter Theil.

niß, welches Ehrsucht, Herrschsucht und Habsucht, vor-nehmlich bey denen die Gewalt in Handen haben, selbst derMöglichkeit eines solchen Entwurfs entgegen setzen, ist derKrieg (theils in welchem sich Staaten zerspalten undin kleinere auflösen, theils ein Staat andere kleinere mitsich vereinigt und ein größeres Ganze zu bilden strebt)unvermeidlich: der, so wie er ein unabsichtlicher (durchzügellose Leidenschaften angeregter) Versuch der Men-schen, doch tief verborgener vielleicht absichtlicher derobersten Weisheit ist, Gesetzmäßigkeit mit der Freyheitder Staaten und dadurch Einheit eines moralisch begrün-deten Systems derselben, wo nicht zu stiften, deonoch vor-zubereiten, und ungeachtet der schrecklichsten Drangsale,wc.^.it er das menschliche Geschlecht belegt, und der viebleicht noch größern, womit die bestandige Bereitschaftdazu im Frieden druckt, dennoch eine Triebfeder mehr ist(indessen die Hofnung zu dem Ruhestande einer Volks-glückseligkeit sich immer weiter entfernt) alle Talente, diezur Cultur dienen, bis zum höchsten Grade zu entwickeln.

Was die Disciplin der Neigungen betrift, zu denendie Naturanlage in Absicht auf unsere Bestimmung, alseiner Thiergattung, ganz zweckmäßig ist, die aber dieEntwickelung der Menschheit sehr erschweren; so zeigtsich doch auch in Ansehung dieses zweiten Erfordernisseszur Cultur ein zweckmäßiges Streben der Natur zu einerAusbildung, welche uns höherer Zwecke, als die Naturselbst liesern kann, empfänglich macht. Das Übergewicht