Critik der teleologischen Urtheilskraft. Z95
der Übel, welche die Verfeinerung des Gefchmacks biszur Jdealisirung desselben, und selbst der Luxus in Wis-senschaften, als einer Nahrung für die Eitelkeit, durch dieunzubefriedigende Menge der dadurch erzeugten Neigun-gen über uns ausschüttet, ist nicht zu bestreiken: dagegenaber der Zweck der Natur auch nicht zu verkennen, derRohigkeit und dem Ungestüm derjenigen Neigungen,welche mehr der Thierheit in uns gehören und derAusbildung zu unserer höheren Bestimmung am meistenentgegen sind (den Neigungen des Genusses), immer »sehrabzugewinnen und der Entwickelung der Menschheit Platzzu machen. Schöne Kunst und Wissenschaften, die durcheine Lust die sich allgemein mittheilen laßt, und durchGeschliffenheit und Verfeinerung für die Gesellschaft,wenn gleich den Menschen nicht sittlich besser, doch gesit-tet machen, gewinnen der Tyrannei) des Sinnenhangessehr viel ab, und bereiten dadurch den Menschen zu einerHerrschaft vor, in welcher die Vernunft allein Gewalthaben soll: indeß die Übel, womit uns theils die Na-tur, theils die unvertragsame Selbstsucht der Menschenheimsucht, zugleich die Kräfte der Seele aufbieten, siei-gern und stählen, um jenen nicht zu unterliegen, und unsso eine Tauglichkeit zu höheren Zwecken, die in unsverborgen liegt, fühlen lassen
') Was das Lebe» für uns für einen Werth habe, wen» die-ser bloß nach dem geschätzt wird, was man genieße (demnatürlichen Zweck der Sumnie aller Neigungen, der Glück«