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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
Seite
398
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^98 Zweyter Theil.

keiner anderweitigen Bedingung, als bloß semcr Idee,abhängig ist.

Nun haben wir nur eine einzige Art Wesen in derWelt, deren Causalität teleologifth, d. i. auf Zwecke ge-richtet und doch zugleich so beschaffen ist, daß das Gesetz,nach welchem sie sich Zwecke zu bestimmen haben, vonihnen selbst als unbedingt und von Naturbedingungenunabhängig, an sich aber als nothwendig, vorgestelltwird. Das Wesen dieser Art ist der Mensch, aber alsNoumenon betrachtet; das einzige Naturwesen, an wel-chem wir doch ein übersinnliches Vermögen (die Frey-heit) und sogar das Gesetz der Causalität, sammt demObjecte derselben, welches es sich als höchsten Zweck vor-setzen kann (das höchste Gut in der Welt), von Seitenseiner eigenen Beschaffenheit erkennen können.

Von dem Menschen nun (und so jedem vernünfti-gen Wesen in der Welt), als einem moralischen Wesen,kann nicht weiter gefragt werden: wozu («zuem in ünsni)er eristire. Sein Daseyn hat den höchsten Zweck selbst insich, dem, so viel er vermag, er die ganze Natur unter-werfen kann, wenigstens welchem zuwider er sich keinemEinflüsse der Natur unterworfen halten darf. -- Wennnun Dinge der Welt, als ihrer Existenz nach abhängigeWesen, einer nach Zwecken handelnden obersten Ursachebedürfen, so ist der Mensch der Schöpfung Endzweck;denn ohne diesen wäre die Kette der einander untergeord-neten Zwecke nicht vollständig gegründet; und nur im