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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
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404
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4<?4 Zweyter Theil.

Vernunft, welcher durchaus verlangt, zu Erklärung einesObjects der Erfahrung diesem nicht mehr Eigenschaftenbeyzulegen, als empirische Data zu ihrer Möglichkeitanzutreffen sind, vergeblich Grund zu unserer Rechtfer-tigung suchen. Bey näherer Prüfung wurden wir se-hen, daß eigentlich eine Idee von einem höchsten Wesen,die auf ganz verschiedenem Vernunftgebrauch (dem pra-ctifchen) beruht, in uns » priori zum Grunde liege,welche uns antreibt, die mangelhafte Vorstellung einerphysischen Teleologie, von dem Urgründe der Zwecke inder Natur, bis zum Begriffe einer Gottheit zu erganzen;und wir würden uns nicht falschlich einbilden, diese Idee,mit ihr aber eine Theologie, durch den theoretischen Ver-nunftgebrauch der physischen Weltkenntniß zu Standegebracht, viel weniger ihre Realität bewiesen zu haben.

Man kann es den Alten nicht so hoch zum Tadelanrechnen, wenn sie sich ihre Götter als, theils ihremVermögen, theils den Absichten und Willensmeynungennach, sehr mannichfaltig verschieden, alle aber, selbstihr Oberhaupt nicht ausgenommen, noch immer aufmenschliche Weise eingeschränkt dachten. Denn, wennsie die Einrichtung und den Gang der Dinge in der Na-tur betrachteten; so fanden sie zwar Grund genug etwasmehr als Mechanisches zur Ursache derselben anzuneh-men, und Absichten gewisser oberer Ursachen, die sienicht anders als übermenschlich denken konnten, hinterdem Maschinenwerk dieser Welt zu vermuthen. Weil