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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
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407
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Critik der teleologischen Urtheilskraft. 4O7

demselben nichts als Erfahrungsprincipien, von derwirklichen Zweckverbindung in der Welt hergenommen,zur Hand haben, so können wir einerseits wider dieMißHelligkeit, die die Natur in Ansehung der Zweckein-heit in vielen Beyspielen aufstellt, keinen Rath finden,andrerseits den Begrif einer einigen intelligenten Ur-sache, so wie wir ihn, durch bloße Erfahrung berechtigt,herausbringen, niemals für irgend eine, auf welcheArt es auch sey, (theoretisch oder practisch) brauchba-re Theologie bestimmt genug, daraus ziehen.

Die physische Teleologie treibt uns zwar an, eineTheologie zu suchen; aber kann keine hervorbringen, soweit wir auch der Natur durch Erfahrung nachspuren,und der in ihr entdeckten Zweckverbindung, durch Ver-lmnstideen (die zu physischen Aufgaben theoretisch seynmüssen), zu Hülfe kommen mögen. Was hilfts, wirdman mit Recht klagen: daß wir allen diesen Einrichtun-gnn einen großen, einen für uns unermeßlichen Verstandzum Grunde legen, und ihn diese Welt nach Absichteuanordnen lassen? wenn uns die Natur von der Endab-sicht nichts sagt, noch jemals sagen kann, ohne welchewir uns doch keinen gemeinschaftlichen Veziehungspunctaller dieser Naturzwecke, kein hinreichendes telcologischesPrincip machen können, theils die Zwecke insgesammt ineinem System zu erkennen, theils uns von dem oberstenVerstände, als Ursache einer solchen Natur, einen Be-grif zu machen, der unserer über sie teleologisch reflecti-

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