Critik der teleologischen Urtheilskraft. 409
Begrif von der obersten Ursache, der nur in dem voneiner in allem Betracht unendlichen Intelligenz, d. i.dem Begriffe einer Gottheit, angetroffen werden kann,schließen, und eine Grundlage zur Theologie zu Standebringen.
Wir können also, bey aller möglichen Erweiterungder physischen Teleologie, nach dem oben angeführtenGrundsatze, wohl sagen: daß wir, nach der Beschaffen-heit und den Principien unseres Erkenntnißvermögens,die Natur in ihren uns bekannt gewordenen zweckmäßi-gen Anordnungen, nicht anders als das Product einesVerstandes, dem diese unterworfen ist, denken können.Ob aber dieser Verstand mit dem Ganzen derselben unddessen Hervorbringung noch eine Endabsicht gehabt habenmöge (die alsdann nicht in der Natur der Sinnenweltliegen wurde): das kann uns die theoretische Ncttur-forschung nie eröfnen; sondern es bleibt, bey aller Kennt-niß derselben, unausgemacht, ob jene oberste Ursacheüberall nach einem Endzwecke, und nicht vielmehr durcheinen von der bloßen Nothwendigkeit seiner Natur zuHervorbringung gewisser Formen bestimmten Verstand(nach der Analogie mit dem was wir bey den Thierenden Kunstinstinct nennen), Urgrund derselben sey: ohnedaß es nöthig sey, ihr darum auch nur Weisheit, vielweniger höchste und mit allen andern zur Vollkommen-heit ihres Products erforderlichen Eigenschaften ver-bundene Weisheit, beyzulegen.
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