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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
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412
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412 Zweyter Theil.

ein guter Wille ist dasjenige, wodurch sein Daseyn al-lein einen absoluten Werth und in Beziehung auf welchesdas Daseyn der Welt einen Endzweck haben kann»

Auch stimmt damit das gemeinste Urtheil der gesun-den Menschenvernunft vollkommen zusammen; nehmlichdaß der Mensch nur als moralisches Wesen ein Endzweckder Schöpfung seyn könne, wenn man die Beurtheilungnur auf diefe Frage leitet und veranlaßt sie zu versu-chen. Was hilsts, wird man sagen, daß dieser Menschso viel Talent hat, daß er damit sogar sehr thatig ist,und dadurch einen nützlichen Einfluß auf das gemeineWesen ausübt, und also in Verhältniß, so wohl aufseine Glücksumstande, als auch auf Anderer Nutzen,einen großen Werth hat, wenn er keinen guten Willenbefitzt? Er ist ein verachtungswürdiges Object, wennman ihn nach seinem Innern betrachtet; und, wenn dieSchöpfung nicht überall ohne Endzweck seyn soll, somuß er, der, als Mensch, auch dazu gehört, doch, alsböser Mensch, in einer Welt unter moralischen Gese-setzen, diesen gemäß, seines subjectiven Zwecks (derGlückseligkeit) verlustig gehen, als der einzigen Bedin-gung, unter der seine Existenz mit dem Endzwecke zu-sammen bestehen kann.

Wenn wir nun in der Welt Zweckanordnungen an-treffen, und, wie es die Vernunft unvermeidlich fordert,die Zwecke, die es nur bedingt sind, einem unbedingten»bersten, d. i. einem Endzwecke, unterordnen: so sieht