422 Zweyter Theil.
Welt aus lauter leblosen, oder zwar zum Theil auslebenden aber vernünftigen Wesen, so wurde das Da-seyn einer solchen Welt gar keinen Werth haben, weil inihr kein Wesen exisiirte, das von einein Werthe den min-desten Begrif hat. Waren dagegen auch vernunftigeWesen, deren Vernunft aber den Werth des Daseyns derDinge nur im Verhaltnisse der Natur zu ihnen (ihrem
Menschen unter moralischen Gesetze» können wir, ohnedie Schranke» unserer Einsicht zu überschreiten, sagen: seinDaseyn mache der W-lt Endzweck aus Dieses stimmt suchvollkommen mit dem Urtheile der moralisch über den Welt-lauf reflectirenoen Menschenyernunft, Wir glauben dieSpuren einer weise» Zweckbe;iehung auch am Bösen wahr-zunehmen, wenn wir nur sehen, daß der frevelhaste Vöse-wicht nicht eher stirbt, als bis er die wohlverschuldeteStrafe seiner Unthaten erlitten hat. Nach unseren Begrif-fe» von freyer Causalirät, beruht das Wohl- oder Übel-verhalten auf uns; die höchste Weisheit aber der Weitre-gierung setz?» wir darin, daß zu dem ersteren die Veranlas-sung, für beides aber der Erfolg, nach moralischen Gesetzenverhängt sey. In dem letzteren besteht eigentlich die EhreGottes, welche daher von Theologen nicht unschicklich derletzte Zweck der Schöpfung genannt wird- — Noch ist anzu-merken, daß wir unter dem Wol: Schöpfung, wenn wiruns dessen bedienen, nichts anders, als was hier gesagtworden ist, nehmlich die Ursache vom Daseyn einer Welt,oder der Dinge in ihr (der Substanzen), verstehen; wiedas auch der eigentliche Begrif dieses Worts mit sichbringt (»cm.ilio ludlt-miine sli cre-ltlo): welches mithinnicht scho:: die Voraussetzung einer freywirkenden, folglichverständigen Ursache (deren Daseyn wir allererst beweisenwollen) bey sich führt.