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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
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424 Zweyter Theil.

Endzweck setzen kann, ist die Glückseligkeit. Folglichdas höchste in der Welt mögliche, und, so viel an unsist, als Endzweck zu befördernde, physische Gut istGlückseligkeit: unter der objectiven Bedingung derEinstimmung des Menschen mit dem Gesetze der Sitt-lichkeit, 'als der Würdigkeit glücklich zu seyn.

Diese zwey Erfordernisse des uns durch das mo-ralische Gesetz anfgegebeuen Endzwecks können wir aber,nach allen unsern Vernunfrvermögen, als durch bloßeNatnrursachen verknüpft, und der Idee des gedach-ten Endzwecks angemessen, unmöglich uns vorstellen.

Also stimmt der Begrif von der practischen Noth-wendigkeit eines solchen Zwecks durch die Anwendungunserer Kräfte, nicht mit dem theoretischen Begriffevon der physischen Möglichkeit der Bewirtung des-selben zusammen, wenn wir mit unserer Freyheit keineandere Causaiitat (eines Mittels), als die der Natur,verknüpfen.

Folglich müssen wir eine moralische Weltursache(einen Welturhebcr) annehmen, um uns, gemäß demmoralischen Gesetze, einen Endzweck vorzusetzen; und,so weit als das letztere nothwendig ist, so weit (d. i.in demselben Grade und aus demselben Grunde) istauch das erstere nothwendig anzunehmen: nehmlich essey ein Gott

') Dieses moralische Argument soll keinen objectiv/gülti-ge» Beweis vom Daseyn Gsms an die Hand geben, nicht