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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
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425
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Critik der releologischen Urtheilskraft. 425

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Dieser Beweis, dem man leicht die Form der logi-schen Präcision anpassen kann, will nicht sagen: es isteben so nothwendig das Daseyn Gottes anzunehmen,als die Gültigkeit des moralischen Gesetzes anzuerken-nen; mithin, wer sich vom erstern nicht überzeugenkann, könne sich von den Verbindlichkeiten nach demletzteren los zu seyn urtheilen. Nein! nur dieBeab-sichtigUNg des durch die Befolgung des letzteren zubewirkenden Endzwecks in der Welt (einer mit der Be-folgung moralischer Gesetze harmonisch zusammentreffen-den Glückseligkeit vernünftiger Wefen, als das höchsteWeltbeste) müßte alsdann aufgegeben werden. Ein je-der Vernünftige würde sich an der Vorschrift der Sittenimmer noch als strenge gebunden erkennen müssen: denndie Gesetze derselben sind formal und gebieten unbedingt,ohne Rücksicht auf Zwecke (als die Materie des Wol-lens). Aber das eine Erfordernis; des Endzwecks, wieihn die practische Vernunft den Weltwesen vorschreibt,

dem Iweiselgläubigen beweisen, daß ein Gott sey; sonderndaß, wenn er moralisch consequent denken will, er die An-nehmung dieses Satzes unter die Maximen seiner practi-sche» Vernunft aufüchmeir müsse, Es soll damit auchnicht gesagt werden: es ist zur Sittlichkeit nothwendig,die Glückseligkeit aller vernünftigen Weltwesen gemäß ih-rer Moralität anzunehmen; sondern: es ist durch sie noth-wendig. Mithin ist es ein subjecciv, für moralische We-sen, hinreichendes Argument.

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