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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
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427
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Critik der teleologischen Urtheilskraft. 427

wie es immer verlangt werden mag, erfüllte. Umge-kehrt, wenn er sie als Glaubiger seinem Bewußtseynnach aufrichtig und uneigennützig befolgt, und gleich-wohl, so oft er zum Versuche den Fall setzt, er konnteeinmal überzeuget werden, es sey kein Gott, sich so-gleich von aller sittlichen Verbindlichkeit frey glaubte;müßte es doch mit der innern moralischen Gesinnungin ihm nur schlecht bestellt seyn.

Wir können also einen rechtschaffenen Mann (wieetwa den Spinoza ) annehmen, der sich fest überredethalt: es sey kein Gott, und (weil es in Ansehung desObjects der Moralität auf einerley Folge hinauslauft)auch kein künftiges Leben; wie wird er seine eigene innereZweckbestimmung durch das moralische Gesetz, welcheser thatig verehrt, beurtheilen? Er verlangt von Befol-gung desselben für sich keinen Vortheil, weder in diesernoch in einer andern Welt; uneigennützig will er viel-mehr nur das Gute stiften, wozu jenes heilige Gesetz al-len seinen Kräften die Richtung giebt. Aber sein Bestre-ben ist bcgranzt; und von der Natur kann er zwar hinund wieder einen zufälligen Beytritt, niemals aber einegesetzmäßige und nach beständigen Regeln (so wie inner-lich seine Maximen sind und seyn müssen) eintreffendeZusammcnsiimmung zu dem Zwecke erwarten, welchenzu bewirken er sich doch verbunden und angetriebenfühlt. Betrug, Gewaltthätigkeit und Neid werden