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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
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428
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428 Zweyter Theil.

immer um ihn im Schwange gehen, ob er gleich selbstredlich, friedfertig und wohlwollend ist; und die Recht-schaffenen, die er außer sich noch antrift, werden, un-angesehen aller ihrer Würdigkeit glücklich zu seyn, den-noch durch die Natur, die darauf nicht achtet, allenÜbeln, des Mangels, der Krankheiten und des unzei-tigen Todes, gleich den übrigen Thieren der Erde, un-terworfen seyn und es auch immer bleiben, bis ein wei-tes Grab sie insgesammt (redlich oder unredlich, dasgilt hier gleichviel) verschlingt, und sie, die da glau-ben konnten, Endzweck der Schöpfung zu seyn, in denSchlund des zwecklosen Chaos der Materie zurück wirft,aus dem sie gezogen waren. Den Zweck also, dendieser Wohlgesinnte in Befolgung der moralischen Ge-setze vor Augen hatte und haben sollte, müßte er aller-dings als unmöglich, aufgeben; oder will er auch hierindem Rufe seiner sittlichen inneren Bestimmung anhang-lich bleiben, und die Achtung, welche das sittliche Gesetzihm unmittelbar zum Gehorchen einflößt, nicht durchdie Nichtigkeit des einzigen ihrer hohen Forderung an-gemessenen idealischen Endzwecks schwachen (welchesohne einen der moralischen Gesinnung widerfahrendenAbbruch nicht geschehen kann): so muß er, welcheser auch gar wohl thun kann, indem es an sich wenig-stens nicht widersprechend ist, in practischer Absicht,d. i. um sich wenigstens von der Möglichkeit des ihmmoralisch vorgeschriebenen Endzwecks einen Begrif zu