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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
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431
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Critik der teleologischen Urtheilskraft. 4z i

gen, unter welchen ein Endzweck der Schöpfung alleinvon uns gedacht werden kann.

Es ist nun die Frage: ob die objective Realitätdes Begrifs von einem Endzweck der Schöpfung nichtauch für die theoretischen Forderungen der reinen Ver-nunft hinreichend, wenn gleich nicht apodictifch, für diebestimmende, doch hinreichend für die Maximen dertheoretisch - reflectirenden Urtheilskraft könne dargethanwerden. Dieses ist das mindeste, was man der spe-kulativen Philofophie ansinnen kann, die den sittlichenZweck mit den Naturzwecken vermittelst der Idee eineseinzigen Zwecks zu verbinden sich anheifchig macht;aber auch dieses Wenige ist doch weit mehr, als sie jezu leisten vermag.

Nach d^m Princip der theoretisch-reflectirenden Ur>theilskrast würden wir sagen: Wenn wir Grund haben,zu den zweckmäßigen Produkten der Natur eine obersteUrsache der Natur anzunehmen, deren Causalitat inAnsehung der Wirklichkeit der letzteren (die Schöpfung)von anderer Art, als zum Mechanism der Natur erfor-derlich ist, nehmlich als die eines Verstandes, gedachtwerden muß; so werden wir auch cln diesem: Urwesennicht bloß allenthalben in der Natur Zwecke, sondernauch einen Endzweck zu denken hinreichenden Grund ha-ben, wenn gleich nicht um das Daseyn eines solchenWesens darzuthun, doch wenigstens (so wie es in derphysischen Leleologie geschah) uns zu überzeugen, daß