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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
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441
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Critik der ideologischen Urtheilskraft. 441

Ver Beschaffenheit der göttlichen Natur, von seinemVerstände und Willen, den Gesetzen beider und dendaraus auf die Welt abfließenden Eigenschaften groß zuthun verstattet: so möchte ich wohl wissen, wo und an ^welcher Stelle man die Anmaßungen der Vernunft be-granzen wolle; denn, wo jene Einsichten hergenommensind, eben daher können ja noch mehrere (wenn mannur, wie man meynt, sein Nachdenken anstrengte) er-wartet werden. DieBegranzung solcher Ansprüche müßtedoch nach einem gewissen Princip geschehen, nicht etwabloß aus dem Grunde, weil wir finden, daß alle Ver-suche mit denselben bisher fehlgeschlagen sind; denn dasbeweiset nichts wider die Möglichkeit eines 'besserenAusschlags. Hier ist aber kein Princip möglich, alsentweder anzunehmen: daß in Ansehung des Übersinn-lichen schlechterdings gar nichts theoretisch (als lediglichnur negativ^ bestimmt werden könne, oder daß unsereVernunft eine noch unbenutzte Fundgrube, zu wer weißwie großen, für uns und unsere Nachkommen aufbe-wahrten erweiternden Kenntnissen, in sich enthalte.Was aber Religion betrist, d. i. die Moral in Bezie-hung auf Gott als Gesetzgeber; so muß, wenn dietheoretische Erkenntniß desselben vorhergehen müßte,die Moral sich nach der Theologie richten, und, nichtallein, statt einer inneren nothwendigen Gesetzgebungder Vernunft, eine äußere willkürliche eines oberstenWesens eingeführt, sondern auch in dieser alles, was

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