Druckschrift 
Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
Seite
457
Einzelbild herunterladen
 

Critik der teleologischen Urtheilskraft. 457

ner sind Dinge, oder Beschaffenheiten derselben, diedurch Erfahrung (eigene oder fremde Erfahrung, ver-mittelst der Zeugnisse) dargethan werden können, gleich-falls Thatsachen . Was aber sehr merkwürdig ist, sofindet sich sogar eine Vernunftidee (die an sich keinerDarstellung in der Anschauung, mithin auch keinestheoretischen Beweises ihrer Möglichkeit, fähig ist) un-ter.den Thatfachen; und das ist die Idee der Freyheit,deren Realität, als einer besondern Art von Causalität ,(von welcher der Begrif in theoretischem Betracht über-schwenglich seyn wurde) sich durch practische Gesetze derreinen Vernunft, und, diesen gemäß, in wirklichen Hand-lungen, mithin in der Erfahrung, darthnn läßt.Die einzige unter allen Ideen der reinen Vernunft, derenGegenstand Thatsache ist, und unter die lcidllia mitgerechnet werden muß.

?) Gegenstande, die in Beziehung auf den Pflicht-mäßigen Gebrauch der reinen practischen Vernunft (essey als Folgen, oder als Gründe) a priori gedacht wer-den müssen, aber für den theoretischen Gebrauch dersel-ben überschwenglich sind, sind bloße Glaubenssachen.Dergleichen ist das höchste durch Freyheit zu bewirkendeGut in der Welt; dessen Begrif in keiner für uns mög-lichen Erfahrung, mithin für den theoretischen Ver-nunftgebrauch hinreichend, seiner objectiven Realitätnach bewiesen werden kann, dessen Gebrauch aber zurbestmöglichen BeWirkung jenes Zwecks doch durch practi-

Ff 5