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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
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460
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46c» Zweyter Theil.

auch die Bedingung, unter der wir diese Möglichkeitdenken können, dadurch mit posiulirt. Dadurch wirdnun das Erkenntniß der letzteren weder Wissennoch Meynung von dem Daseyn und der Beschaffen-heit dieser Bedingungen, als theoretische Erkenntniß,art, sondern bloß Annahme, in praktischer und dazugebotener Beziehung für den moralischen Gebrauch un-serer Vernunft.

Würden wir auch auf die Zwecke der Natur, dieuns die physische Teleologie in so reichem Maaße vor-legt, einen bestimmten Begrif von einer verstandigenWelturfache scheinbar gründen können, so wäre dasDaseyn dieses Wesens doch nicht Glaubenssache. Dennda dieses nicht zum Behuf der Erfüllung meiner Pflicht,sondern nur zur Erklärung der Natur angenommen wird,so würde es bloß die unserer Vernunft angemessensteMeynung und Hypothese seyn. Nun führt jene Teleo-logie keinesw^'ges auf einen bestimmten Begrif von Gott,der hingegen allein in dem von einem moralischen Welt-urhcber angetroffen wird, weil dieser allein den Endzweckangiebt, zu welchem wir uns nur sofern zahlen können,als wir dem, was uns das moralische Gesetz als End-zweck auferlegt, mithin uns verpflichtet, uns gemäßverhalten. Folglich bekommt der Begrif von Gott nurdurch die Beziehung auf das Object unserer Pflicht, alsBedingung der Möglichkeit den Endzweck derselben zuerreichen, den Vorzug in unserm Fürwahrhalten als