Druckschrift 
Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
Seite
461
Einzelbild herunterladen
 

Critik der teleologischen Urtheilskraft. 461

Glaubenssache zu gelten; dagegen eben derselbe Begrifdoch sein Object nicht als Thatsache geltend machenkann: weil, obzwar die Nothwendigkeit der Pflicht fürdie practische Vernunft wohl klar ist, doch die Errei-chung des Endzwecks derselben, sofern er nicht ganz inunserer Gewalt ist, nur zum Behuf des praktischen Ge-brauchs der Vernunft angenommen, also nicht so wiedie Pflicht selbst, practisch nothwendig ist

') Der Endzweck, den das moralische Ge'etz zu befördern auf-erlegt, ist nicht der Grund der Pflicht: denn dieser liegt immoralischen Gesetze, welches, als formales practisches Prin«cip, categorisch leitet, unangesehen der Objecte des Ve-gehrungsvsrmögens (der Materie des Wvllens), mithin ir<gend eines Zwecks. Diese formale Beschaffenheit meinerHandlungen (Unterordnung derselben unter das Princip derAllgemeingültigkeit), worin allein ihr innerer moralischerWerth besteht, ist gänzlich in unserer Gewalt; und ich kannvon der Möglichkeit, oder Unausführbarkeit, der Zwecke,die mir jenem Gesetze gemäß zu befördern obliegen, gar wohlabstrahiren sweil in ihnen nur der äußere Werth meinerHandlungen besteht), als etwas, welches nie völlig in mei-ner Gewalt ist, um nur auf das zu sehen, was meinesThuns ist. Allein die Absicht, den Endzweck aller vernünf-tigen Wesen (Glückseligkeit, so weit sie einstimmig mit derPflicht möglich ist) zu befördern, ist doch, eb?n durch dasGesetz der Pflicht, auferlegt. Aber die spekulative Der-uunft sieht die Ausführbarkeit derselben (weder von Seitenunseres eigenen physischen Vermögens, noch der Milwir«kung der Natur) gar nicht ein; vielmehr muß sie aus svl-chen Ursachen, so viel wir vernünftiger Weise urtheilenkönnen, einen solchen Erfolg unseres Wohluerhaltens vonder bloße» Natur (in uns und außer une), ohne Gott und