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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
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475
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Critik der teleologischen Urtheilökraft. 475

zen, so würde sie eine Pnevmatologie, welche der specula-ttven Vernunft eben so willkommen wäre, möglich machen.Beide aber, so lieb e6 auch dem Dünkel der Wißbegierdeseyn mag, erfüllen nicht den Wunsch der Vernunft in Ab-sicht auf die Theorie, die aus Kenntniß der Natur der Din-ge gegründet seyn müßte. Ob aber nicht die erstere, alsTheologie, die zweyte als Anthropologie, beide auf dassittliche, d. i. das Freyheitsprincip gegründet, mithin dempractlschcn Gebrauche der Vernunft angemessen, ihre objec-tive Endabsicht besser erfüllen, ist eine andere Frage, diewir hier nicht nöthig haben weiter zu verfolgen.

Der physisch teleologische Beweisgrund reicht aber dar-um nicht zur Theologie zu, weil er keinen für diese Absichthinreichend bestimmten Vegrif von dem Urwesen giebt, nochgeben kaun, sondern man diesen gänzlich anderwärts herneh-men, oder seinen Mangel dadurch, als durch einen willkür-lichen Zusatz, ersehen muß. Ihr schließt aus der großenZweckmäßigkeit der Nalurformen und ihrer Verhältnisse auseine verständige Weltursache; aber auf welchen Grad diesesVerstandes? Ohne Zweifel könnt Ihr euch nicht anmaßen,auf den höchst möglichen Verstand; denn dazu würde erfor-'dert werden, daß Iyr einsähet, ein größerer Verstand alswcvon Ihr Beweiethümcr in der Well wahrnehmet, seynicht denkbar: welches euch selber Allwissenheit beylegenhieße. Eben so schließt Ihr aus der Größe der Welt aufeine sehr große Macht des Urhebers; aber Ihr werdet euchbescheiden, daß dieses nur comparativ für eure FassungskraftBedeutung hat, und, da Ihr nicht alles Mögliche erkenn-,um es mit der Wcirgröße, s> weit Ihr sie kennt, zu ver-gleichen, Ihr nach einem so kleinen Maaßstabe keine Allmachtdes Urhebers folgern könnet, u. s. w. Nun gelangt Ihrdadurch zu keinem bestimmten, für eine Theologie taugliche».