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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
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Zweyter Theil.

Begriffe eines Urwesens; denn dieser kann nur in dem derAllheir der mit einem Verstände vereinbarten Vollkommen,hcitcn gefunden werden, wozu euch bloß empirische Datagar nicht verhelfen können: ohne einen solchen bestimmtenBcgrif aber könnt Ihr auch nicht auf ein einiges verständeges Urwesen schließen, sondern (es sey zu welchem Behuf)ein solches nur annehmen. Nun kann man es zwar ganzwohl einräumen, daß Ihr (da die Vernunft nichts gegrün-detes dawider zn sagen hat) willkürlich hinzusetzt: wo soviel Vollkommenheit angetroffen wird, möge man wohl alleVollkommenheit in einer einzigen Weltursache vereinigt an-nehmen ; weil die Vernunft mit einem so bestimmten Prin-cip, theoretisch und vraecisch, besser zurecht kommt. AberIhr könnt denn doch diesen Begcif des UrwesenS nicht alsvon euch bewiesen anpreisen, da Ihr ihn nur zum Behuf ei-nes bessern Vernunstgebrauche angenommen habt. Alle«Jammern also oder ohnmächtiges Zürnen über den vorgebli-chen Frevel, die Bündigkeit eurer Schlußkette in Zweifel zuziehen, ist eitle Großthuerey, die gern haben möchte, daßman den Zweifel, welcher gegen euer Argument frey her,ausgesagt wird, für Bezweifelung heiliger Wahrheit hallenmöchte, um nur hinter dieser Decke die Setchttgkeit dessel,be» durchschlüpfen zu lassen.

Die moralische Teleologie hingegen, welche nicht minderfest gegründet ist, wie die physische, vielmehr dadurch, daßsie s priori auf von unserer Vernunft untrennbaren Princi,pien beruht, Vorzug verdient, führt auf das, was zurMöglichkeit einer Theologie erfordert wird, nehmlich auf e.i<neu bestimmten Degrif der obersten Ursache, als Weltursa-che nach moralischen Gesetzen, mithin einer solchen, die un-serm moralischen Endzwecke Genüge thut: wozu nichts we,igcr als Allwissenheit, Allmacht, Allgegenwart u. s. w. als