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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
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Zweyter Th?il.

uns ganz frey, laut Vorschrift unserer eigenen Vernunft, denEndzweck unserer Bestimmung vorstellt, wir eine damit undzu dessen Ausführung zusammenstimmende Uriache mit derwahrhafteste» Ehrfurcht, die gänzlich von parholoalscherFurcht unterschieden ist, l» unsere moralischen Aussichtenmit aufnehmen und uns derselben willig unrerwerfen *).

Wenn man fragt: warum uns denn etwas daran gele-gen sey, überhaupt eine Theologie zu haben; so leuchtet klarein, daß sie nicht zur Erweiterung oder Berichtigung unsererNaturkennlniß und überhaupt irgend einer Theorie, son-dern lediglich zur Religion, d. i. dem pracrischeu, nament,Uch dem moralischen Gebrauche der Verminst in subjecrlverAbsicht nöthig sey. Findet sich nun: daß das einzige Argu-ment, welches zu einem bestimmten Begriffe des Gegenstan-des der Theologie führt, selbst moralisch ist; so wird esnicht allein nicht befremden, sondern man wird auch in An-sehung der Zulanglichkeit des Fürwal>rha!tc»6 aus diesem Be-weisgründe zurEndabstchc derselben nichts vermissen, wenn ge-standen wird, daß ein solches Argument das Daseyn Gottesnur für unsere moralisch? Bestimm»!'«,, d, i. in pr.rcüscherAbsicht hinreichend darlhue, und die Spekulation in oemseiben

Die Bewunderung der Schönheit sowohl, als die Näh-rung durch die so uiannichfaltlaeii Zwecke der Ncttur, weicheein nachdenkendes Gemütd, noch vor einer tlareu Vori-el-lung eines vernünstiaen Urhebers der Weit, zu fühlen imStande isr, haben etwa<> einem religiösen Gesüiü cil>nlich?San sich. Sie scheinen daher zuerst durch eine der morali-schen analoge Beurtheilungs.N't demselben aui das moraliicheGefühl (derDankbarkeit und der Verehrung gegen die unsunbekannte Ursache > uno also ourch Erregung moralisciiecIdeen auf das Gemuih ju wirken, wenn sie oi-ieiuge Be-wunderung einflößen, die mit wett -.i-hrersm I--rens,e ver-bunden ist, als bloße theorerische Vetrachtu-'g wirren kann.