Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
140
Einzelbild herunterladen
 
  

-40 Geschichte der christlichen Religion.

ohne Werke ein todter Glaube wäre, der keinemMenschen ein Recht zur Seligkeit gäbe.

Doch die christlichen Gemeinen bestunden nichtallein aus bekehrten Juden, sondern auch aus bekehr-ten Heiden. Unter diesen gab es auch viele, wel-che der erkannten Wahrheit nicht treu blieben. Da-her kamen auch Irrthümer auf, welche ihrem Ur-sprünge nach ganz heidnisch waren. Einige, diebloß die Wahrheiten des Glaubens zu verfälschensuchten, haben die Apostel nur dunkel bezeichnet; an-dere Irrthümer, welche die ganze Sittenlehre JesuChristi bestrittcn, sind in der Offenbarung deutlicherangegeben und verurtheilet worden.

Unter die erste Gattung gehörten unstreitig dieIrrthümer der orientalischen Philosophie, welche einigeunter die Lehren des Christenthums zu mengen suchten.Paulus warnete vor einer gewissen falschberühmtenKunst, vor der Wissenschaft der Genealogien, oderGeschlechtregister, vor unnützen Fabeln, vor einem un-gcistlichen losen Geschwätze, worüber etliche des Glau-bens verfehlet hätten. Die Folge wird umständli-cher lehren, daß man darunter eine gewisse fanati-sche Philosophie verstehen müsse, welche dazumal fastden ganzen Orient bezaubert zu haben schien.

Unter die andere Art von Irrthümern, welchedie heilige Moral des Christenthums niederreißen,gehörten diejenigen, welche den Menschen die schänd-lichsten Handlungen erlaubten, und ebenfalls aus derorientalischen Philosophie herstammte. Diejenigen,welche sie ausbreiteten, wurden sowohl von dem Apo-^ A^tr. 2. stgs Petrus, als von dem Evangelisten Johannes , inOss ^oh.z. seiner Offenbarung so abscheulich, als sie waren, abge-bildet. Ungeachtet sie aber für Christen gehalten seyn

wollten: