Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
146
Einzelbild herunterladen
 

?46 Geschichte der christlichen Religion.

Jesu Christi , bis auf die Zeiten des Kaisers Trojans,eine Jungfrau geblieben, und durch keine ungöttli-che Lehren verderbt worden sey. In einem jedenandern Verstände würde dieser Ausspruch durch dieGeschichte widerlegt werden.

Vielleicht wundert man sich nun nicht sehr dar-über, daß bey dem hellen Glänze des Evangelii allediese Irrthümer, selbst von denen, welche sich dochzu der christlichen Religion bekannt hatten, habenangenommen und ausgebreitet werden können. Einesolche Verwunderung wird noch mehr verschwinden,wenn man den verderbten Zustand der Religion un-ter den Juden und unter den orientalischen Philoso-phen noch mehr erwogen, und bedacht haben wird,wie schwer es dem Menschen ankömmt, eingewur-zelte Vorurtheile und falsche Meynungen ganz auf-zugeben. Die fanatische Philosophie, welche da-mals im ganzen Oriente herrschte, hat die meistenvon den ersten irrgläubigen Sekten erzeuget; sie ver-dienet aus dieser Ursache, eine umständlichere Be-trachtung, welche um so viel nöthiger ist, weil sehrviele Irrthümer der jüdischen Sekten nicht ohnediese Kenntniß verstanden werden können. Dieseträumerische Weisheit ist als die vornehmste Fein-dinn des Christenthums anzusehen; sie hat demsel-ben mehr, als alle andere philosophische Sekten, indem ersten Jahrhunderte geschabet, und sie wurdenoch schädlicher, als sie sich in dem zweyten Jahr-Hunderte mit den pythagoräischen und platonischenIrrthümern vereinigte.

»A. A ^

Von