Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
147
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Zweyter Abschnitt. 147

Von der Religion der morgenlan»dischm Weisen.

AVe christliche Religion erschien zu einer Zeit auft-»^ der Erde, wo der menschliche Verstand nichtmehr ganz roh und unbearbeitet war. Der Menschwar nicht mehr, wie in den ältern Zeiren, bloßSinn; er war mit den Kräften seiner Seele bekann-ter, als vordem, und seine Einsichten waren durchviele Wissenschaften, in welchen sich mehr als einglücklicher Geist hervorgethan hatte, sehr erweitertworden. Selbst in Ansehung der Religion suchte,!sich viele über die allzugroben Begriffe des Pöbelszu erheben. Dennoch waren die Menschen der wah-ren Erkenntniß Gottes nicht naher gekommen. Sogenau wurden die Weißagungen der Propheten er-füllet, baß erst unter dem Meßias diese Finsternissedes menschlichen Geschlechts zerstreuet werden soll-ten. Alles, was man im Oriente und im Occidentevon Gott lehrete, war Irrthum in mannigfaltigenGestalten. Zum Unglücke liebeten diejenigen, die sichfür weise hielten, ihren Irrthum so sehr, daß sie dasEvangelium für Thorheit hielten, oder wenn sie denEindruck desselben nicht ganz übertäuben konnten,eine Vereinigung zwischen dem Lichte und der Fin-sterniß machen wollten.

Niemals hat der Verstand der Menschen einerso wüsten Einöde geglichen, daß nicht allezeit in ih-ren Seelen einige Empfindungen der Gottheit ver-borgen gewesen seyn sollten. Vielleicht sind sie demersten Eindrucke Gottes in dieselben zuzueignen;

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