148 Geschichte der christlichen Religion.
vielleicht können sie niemals ganz aus den menschli-chen Gemüthern verschwinden, weil sie ihnen ancr-schaffen worden sind. Vielleicht sind sie auch dergöttlichen Offenbarung zu danken, welche die münd-liche Sage von einem Alter zum andern fortgepflanzthat. Sie sind zwar nach und nach verunstaltet, nie-mals aber ganz unter allen Völkern ausgerottetworden. Hat es unter den Heiden Philosophen ge-geben, welche behaupteten, daß wir mit allen Wel-ten ein Spiel des Zufalls, und nicht das Werk einerweifen Ursache waren: so ist dieser Unsinn bloßder Verzweiflung darüber zuzuschreiben, daß sie dieseweife Ursache nicht entdecken konnten. Sie hattendie schwachen Seiten so vieler Lehrgebäude eingese-hen : allein sie waren geschickter niederzureißen, alsaufzubauen. Wenn eine Gottheit ist: wo ist sie?Wem gehöret sie, und was ist ihr Wefen? Wiekonnte sie die Ursache alles dessen seyn, was wir be-wundern, und was wir nicht bewunder.,? Und wennsie alles hervorgebracht hat: warum ist nicht allesvollkommen? Und wenn eine Gottheit ist: Warumkennen wir sie nicht, oder wer zeiget uns die Wege,zu ihr zu kommen? Sie waren so stolz, oder so un-wissend, daß sie selbst diese Fragen auflösen wollten,und nicht daran dachten, daß sie nur Gott allein be-antworten könnte. Ein deutlicher Beweis von demriefen Falle des Menschen! Niemals waren die Phi-losophen geschäfftiger, diese Fragen zu beantworten,als zu den Zeiten Jesu Christi .
Nachdem die Menschen der ersten Offenbarungungttrcu geworden waren, und den besten Wegwei-ser, Gott, verlassen hatten: so konnten sie sich von ihmkeine andere als sinnliche Begriffe machen. Das
war