Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
151
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Zweyter Abschnitt. »51

durch alle Theile der Welt ausgegossen. Ihre Aus-flüsse durchdrangen also die Gestirne, die Men-schen, die Thiere, die Pflanzen, und alle Insekten,eins mehr, und das andere weniger. Alles wurdedadurch göttlich, und alles verdiente die Ehre derAnbethunq, weil alles voll Gottheit oder voll Götterwar. Weil nun einmal die Gottheit ausfließenmußte: so nahmen sie ein Etwas an, worein sie sichergießen konnte; ein Etwas, das mit einem unauf-löslichen Bande an die Gottheit verknüpft war.Dieses Etwas war die Materie. Doch weil sie an-diesem Etwas soviel UnVollkommenheiten fanden,undes gleichwohl demjenigen, was darinnen floß, nicht:gern zuschreiben wollten: so sahen sie sich gezwun-gen, ein neues Etwas anzunehmen, das einen Ge-schmack daran fand, alles Gute zu verderben, wasdas gütige Etwas in dem leidenden Etwas gewirkeehatte. Das gütige Etwas, das alles durchfloß,nannten sie Osiris , mit einem Namen, der vielleichteinem gütigen Regenten zugehöret haben mochte.Das leidende Etwas mit welchem sich Osiris ver?mahlt hatte, hieß Isis. Isis war aller Wahrschein,lichkeit des Osiris Gemahlinn oder Schwester gewe-sen. Diese Vermahlung war nicht ohne Folgen 5Orus, oder die Welt, wurde aus dieser Ehe erzeugt»Das Schadenbegierige Etwas nannten sie Typhon,vermuthlich mit dem Namen eines Tyrannen, deralles Gute zernichtet haben mochte, was Osiris undIsis während ihrer Regierung gethan hatten. So wur-den diese eingebildeten Weisen in einem Wirbel lee-rer und bekriegender Worte herum getrieben, hasch-ten ein Etwas, und wieder ein Etwas, und noch einEtwas, und fanden Gott nicht. Diogenes Lacr-

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