Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
158
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,58 Geschichte der christlichen Religion.

und aus dieser Materie Geschöpfe bilden, die ihnenähnlich seyn sollten. Doch das Unternehmen warfür ihre Kräfte allzugroß. Sie konnten sich der gan-zen Materie nicht bemächtigen. Sie bildeten zwarden Menschen daraus; allein sie konnten demselbenweiter nichts, als eine thierische Seele geben. Dasie selbst nur Stralen des ersten Lichte waren, umjn der ersten zoroastrischen Sprache zu reden:' sokonnten sie der Materie freylich nichts als schwacheund ohnmächtige Funken abgeben, und das schwäch-te sie schon. Was nun in den Menschen lasterhaftist, das muß zum Theil der Materie, zum Theilder Ohnmacht seiner Schöpfer zugeschrieben werden.Die erste Gottheit ist von Ewigkeit her ruhig in ihrerFülle geblieben; sie ist die Ursache der Welt in keinemandern Verstände, als weil sie die Ursache der Aeo-ncn ist, die sie im pleroma erzeuget hat. Ueberdießliegt es an ihrem Willen nicht, daß die Welt nichtvollkommner ist. Sie hat wirklich eine Verbesse-rung derselben unternommen: allein der Stolz derAeonen, die nichts unvollkommnes gemacht habenwollten, widersetzte sich ihren guten Absichten. Un-terdeß gelang es ihr doch, der Welt viele Merkmaaleihrer Gnade und Macht einzudrücken. Der ver-nünftige Geist des Menschen ist ihr Werk. Sietheilte ihm denselben in der Absicht mit, daß die Ge-walt der Materie und der ungezahmten Leidenschaftendadurch gebrochen werden sollte. Das alles sahen dieSchöpfer der Menschen, als Eingriffe in ihre Rechteüber sie an. Sollten sie sich von der ersten Gottheitmeistern lassen? Also widersetzten sie sich ihr, undquälen die Menschen. Nunmehr seufzen dieselbenunter der Sclaverey misgünstiger Geister. Wie

Unglück-