Zweyter Abschnitt.
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für sehr unvermögende und schlimme Naturen, nach-dem sie ihre Gemüthsneigung mehr oder wenigerGutes in der Welt finden ließ. Eben so wenigkonnten sie sich über die Fragen vergleichen, wo ei»gentlich der Sih deö Bösen wäre; was die Men-schen für Pflichten zu beobachten hatten, und wie dieSchicksale ihrer Seelen nach dem Untergänge desLeibes beschaffen seyn würden. Das moralische Ue-bel schrieben sie alle, theils der Materie, mit welcherdie Seele umgeben war, theils der Tnrcmney unddem Neide der Aeonen zu, welche die Verbesserungihrer Geschöpfe nicht zulassen wollten. Aus einer sounreinen Quelle mußte eine eben so unreine Sitten-lehre fließen, wie wir solches in dem Folgenden um-ständlicher zu bemerken Gelegenheit haben werden.Einige wollten den Leib durch Martern, andere durchWollüste zernichtet wissen. Aber keinem einzigenvon diesen Philosophen fiel es ein, daß vornehmlichder menschliche Wille gebessert werden müßte, weilkeiner das menschliche Verderben in dem Willensuchte.
Welch eine fanatische und eitle Religion! Unddennoch waren die Lehrer derselben so stolz, daß sieihr den übermüthigen Namen der Wissenschaft,oder der Gnosis gaben, und sich theils von dem ge-meinen Haufen, theils von andern Philosophen durchden Namen der wissenden, der Gnostiker, unter-scheiden wollten. Unter der Gnosis wollten sie eine ^/->v.deutliche Erkenntniß alles dessen, was wirklich ^-v'"^-ist, verstanden wissen. Unter dein wirklichen ^' ^'aber verstunden sie die Gottheit mit ihren Ausflüssen;denn sie glaubeten,daß nur diesen eine wahre Existenzzugeschrieben werden könnte. Konnte Paulus nicht»Theil. L mit