Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
165
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Zweyter Abschnitt. 165

bar machten und todtsten? Man erwäge alles die-ses, sey ein ehrlicher Mann, und sehe, ob man diechristliche Religion für eine menschliche Erfindunglialten könne. Die Christen sind nicht alle so be-schaffen, wie sie die Religion verlangt: allein sie sinddoch besser, al6 die Heiden, man mag nun auf ihreErkenntniß, oder auf ihre Sitten sehen. Doch derNutzen dieser Betrachtung erstrecket sich weiter. DieKenntniß der morgenlandischen Philosophie erweitertinsbesondere die Einsicht in die Ursachen des verderb-ten Zustandes der Religion unter den Juden, beson-ders unter ihren Sccten, den Efsaern, Therapeu-ten und Dojltheanern, wie wir gleich sehen wer-den; und ohne sie würde man den Ursprung so vielerKetzereyen, die im ersten und zweyten christlichenJahrhunderte sich der Aufnahme der geoffenbartenwahren Religion widersetzet haben, nicht begreifenkönnen.

Von den Irrthümern der Essäer,

Therapeuten und Dositheaner unter denJuden in der wahren Religion.

A^ie wahre Religion hatte freylich in Judäa ge-funden werden sollen. Hier hatte ihr Gott ei-ne bestandige Wohnung angewiesen, und eben des-wegen waren die Jüden von allen andern Völkernausgesondert worden, das Volk Gottes zu seyn.Allein, wie sehr war sie nicht unter ihnen verderbt undverfälscht worden, ob sie sich gleich rühmeten, ihre ei-gentlichen Besitzer zu seyn? Man fand sie in ihrerSchönheit nicht unter dem großen Haufen, auch nicht

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