i66 Geschichte der christlichen Religion»
einmal unter denen, welche sich den Namen derWeisen anmaßten. Niemand unter dem Volke, dasin einer tiefen Unwissenheit von Gott ganz vergra-ben lag ; niemand unter den Lehrern kannte den wah-ren Sinn der göttlichen Weißagungen von dem Mes-sias mehr. Man erwartete mehr einen kriegerischenHelden, als einen Erlöser, und aller Gottesdienstwurde auf die Beobachtung der Opfer, und andererVorschriften des Ccrcmonialgeseßes eingeschränkt.Die Lehrer des Volkes waren zu einem desto deutli-chern Beweise des verderbten Zustandes der Religionin Parteyen getheilet. Die Gadducäer leugnetendas Daseyn reiner Geister, die Belohnungen undBestrafungen der Zukunft; und wenn sie nicht alleVergeltung der Tugend und alle Ahndung der La-ster aufhoben: so behaupteten sie doch, daß sie nur indem gegenwärtigen Leben zu erwarten wäre. Siewaren so mächtig, daß sie auch in dem großen Ra-the zu Jerusalem geduldet werden mußten.^ DieAofioets ^harisqer sind bekannt. Wer könnte sie und ihreEinicitung Verfälschungen der wahren Religion schöner und zu-u'^S^ 3^ch kürzer abbilden, als Boßver? Es ist zwarnicht unglaublich, daß sich auch noch unter den Ju-den einige rechtschaffne Männer gefunden haben wer-den, iie sich besonders den MenschcnsaHungen derPharisäer widersetzt haben mögen. Man hat viel-leicht auch nicht unrecht, wenn man diejenigen da-für hält, welche in der Folge Raraer genannt wor-den sind, weil sie alle mündliche Sage verworfenund sich bloß an , die schriftliche Offenbarung ge-halten haben. Allein,'sie haben doch nur denallerkleinsten Theil ausgemacht. Wie konnte einVolk Religidn haben, dessen Hirten nicht wußten,