Zweyter Abschnitt. 169
teil, und sich in die Höhe erhüben. Dieser ein-zige Grundsatz, welcher entweder aus der platonischenoder vielmehr cmS der morgenlandischen Philosophiegenommen war, lehret zur Gnüge, daß die Heilig-keit ihrer Sittenlehre nicht ganz von einem so großenWerthe sey, als sie dem ersten Anblicke nach zu seynscheint. Eben dieses ihr Vorurtheil war Ursache,daß sie die in dem levitischen Gesetze verordneten blu-tigen Opfer verabscheueten, ob sie gleich den Sabbathund andere solche Vorschriften auf das heiligste beob-achteten. Sie nahmen lieber zu einem, ich weis nicht,was für einem, geheimen Verstände, welchen die levi-tischen Gesetze haben sollten, ihre Zuflucht, undführeten daher die schlimme Gewohnheit, alles imalten Testamente allegorisch zu erklären, zuerstmit ein.
Eben dieses Urtheil muß man auch von der Secteder Therapeuten, und Therapeutinnen fallen,welche sich besonders um Alexandrien aufhielten.Diese Secte verdienet mehr eine Schwester, alseine Tochter von der Secte der Esiaer genannt zuwerden. Es ist ungewiß, ob sie ihren Namen vonihrer besondern Weise Gott zu dienen, oder von ihrerErfahrenheit in der Arzneywissenschaft, erhalten ha-ben. So viel ist unstreitig, daß sie noch fanatischerwaren, als die Essaer. Diejenigen, sagte Phils,welche sich dieser Lebensart ergeben, thunsolches ungeheißen und ungeberhen; sie über- ""^'lassen sich einem so vollkommnen beschauli-chen Leben nicht anders , als wenn sie voneiner göttlichen VVurh ergriffen vvarcn. In ih-ren Grundsätzen waren sie mit den Essaern einig;
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