Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
170
Einzelbild herunterladen
 
  

Z7Q Geschichte der christlichen Religion.

sie unterschieden sich von ihnen nur einigermaßen inder Weise, ihre Versammlungen zu hallen.

Man sieht daraus, ohne daß man weitlaustigeBetrachtungen anzustellen brauchet, daß zu den Zei-ten Jesu Christi und seiner Apostel der richtige Wegzur wahren Vollkommenheit und Vereinigung mitGott ganz unbekannt war, weil man den wahrenUrsprung des menschlichen Verderbens ganz vergessenhatte. Daß die Menschen einen geistlichen Erlösernöthig hätten, dieses war unter den Menschen eineganz fremde lehre, ob sie gleich ein jeder Jude hättewissen sollen, und die ganze Heiligkeit dieser Sectenwar nichts, als entweder eine völlige Vcrabsäumung,oder eine gänzliche Zerstörung ihrer Körper. Einesolche Heiligkeit, wenn sie allen Menschen zur wah-ren Glückseligkeit unentbehrlich seyn sollte, würde sehrbald den Erdkreis von Bewohnern entblößen, unddas menschliche Geschlecht aufreiben. Welch einenVorzug hatte also die christliche Sittenlehre vorallen andern damaligen Sittenlehrcn! Sie schicktesich für ein jedes Mitglied der bürgerlichen Gesell-schaft, es mag sein Stand und seine Lebensart be-schaffen seyn, wie sie will. Man kann ein Christin den volkreichsten Städten, und in den einsamstenGegenden seyn, und es ist möglich, Gott zu dienen,ohne daß man ein Müßiggänger oder ein Schwär-mer zu werden brauchet- Der Leib kann eine sehrbequeme Wohnung der Seele abgeben , wofern sieihn nur nicht selbst zu ihrem Gefängnisse dadurchmachet, daß sie die Herrschaft über ihn aufgiebt.Man darf des Leibes wohl warten, und die Crea-turen Gottes mit Danksagung gebrauchen, weil sie

gut