Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
175
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Zweyter Abschnitt. 175

ungeachtet sie den innerlichen Streit der Juden sa-hen, nicht entschließen, Jerusalem zu verlassen, weilsie diese Stadt für die geliebte Scadt Gottes und fürden Siß der wahren Religion hielten. Als nunmehraber Jerusalem völlig untergehen soi/tt: so flüchteten die c. >Christen,von Gott selbst, wie man saget, gewarnet, nachPella,und hielten sich bis zu des Kaisers Hadrianus Zeiten daselbstauf, ob sie gleich vielleicht zur Erweckungihrn Liebe gegen Jesum durch den Anblick der Gegen-den, wo er sich lange aufgehalten hatte, vielleicht auchaus Wehmuth über das Unglück ihres Volkes, oft nachdieser zerstörten Stadt reisen mochten. Unter demHadrianuS empöreten sich, wie man auch weis, dieJuden von neuem. Allein sie wurden überwunden,und die noch übrigen traurigen Ruinen Jerusalems ganz zernichtet, damit die Jüden alle Hoffnung auf-geben sollten, daß sie ihre Republik durch Empörun-gen wieder herstellen könnten. Ja damit dieses hart-nackige Volk durch den Anblick ocs zerstörten Tem-pels nicht /etwa dazu gereizct werden könnte, ließ erWachen unHer ausstellen, welche alle, die sich dieserGegend etwa nähern wollten, davon abhalten soll- -ten. Dieser Befehl aber wurde nicht allein widerdie Juden, sondern auch wider die Christen vollzo-gen, weil sie eine so große Liebe gegen das GesetzMosis blicken ließen, und deswegen unter die übri-gen Jüden gerechnet wurden. Nunmehr konntensie die Gegenden nicht besuchen, welche die Gegen-wart unsers Erlösers vor dem so oft verherrlichet hatte.Also war ihnen Hadrians Verboth, ^ unerträglich,und, damit sie nicht allein die Freyheit, diese gelieb-ten werter zu besuchen, erhalten, sondern auch allenVerdacht der Römer von sich abwenden möchten,

daß