-78 Geschichte der christlichen Religion.
der noachischen Gebothe gebiethen, und die Erfüllungdes mosaischen Gesetzes erlassen würde. Selbst imTalmud findet man Stellen, welche dieses bekräfti-gen. Hätten nun die Nazaraer, gleich im Anfangeihrer Absonderung von den palästinifchen Christen, dieGottheit Jesu Christi , oder seine wunderbare Em-
H'-tt.aöK'. pfängniß und Geburt geleugnet: so würde Irenaus ,, welcher der iLbioniren gedacht hat, auch der j^a-zaraer gedacht haben. Allein, weil der Irrthum vonder Nothwendigkeit der Beobachtung des mosaischenGesetzes sehr nahe an die Verleugnung der Gottheitunsers Erlösers gränzet: so ist es möglich, daß vonden Nazaraern, damit sie den Einwürfen der Recht-gläubigen ausweichen könnten, erst nur die Wahrheitgeleugnet worden seyn mag, daß JesuS ein wirklicherSohn Gottes sey; ob sie gleich immer noch seine wun-derbare Empfängniß und Geburt eingeräumt haben:daß sie aber endlich gar auf den Irrthum verfallensind, man müsse ihn nur als einen gerechten Mannund großen Propheten verehren. Und wer kann beydem Mangel nöthiger Nachrichten wissen, ob sie sichnicht unter einander in verschiedene von einander selbstabweichende Parteyen getheilet haben, von deneneine diese, eine andere aber andere Irrthümer be-hauptet hat?
Die Nazaraer nahmen das ganze alte Testa-ment an, und lasen es in der Sprache, worinnen dieBücher desselben aufgesetzt worden waren. Mankann nicht zuverlässig bestimmen, was sie von denBüchern des neuen Bundes angenommen haben.
H>/>/,. /. c. Nach dem Zeugnisse des jLpiphanius und Hiero-
///e-'my,",. nymus hatten sie ein besonderes Evangelium in he-^'bräischer Sprache, und behaupteten/ daß es die ei-
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